Zu Beginn meiner Selbstständigkeit habe ich einige Male als Auftragnehmerin im Subcontracting gearbeitet. Für viele ist es ein einfacher Weg, um an Aufträge zu kommen – vor allem dann, wenn man noch kein grosses Netzwerk hat. In der aktuellen Situation, in der qualifizierte Fachkräfte stark gefragt sind, ist das Risiko, ohne Auftrag dazustehen, sehr gering.
Vorteile von Subcontracting
Subcontracting hat nicht nur Nachteile. Gerade zu Beginn der Selbstständigkeit oder für kleinere Firmen wie Break the Box kann es ein nützlicher Zugang zu Aufträgen sein:
- Sicherung von Aufträgen: In einer Zeit, in der Fachkräfte stark gefragt sind, kann Subcontracting dazu beitragen, eine konstante Auslastung zu gewährleisten. Besonders zu Beginn der Selbständigkeit, wo die Kundenbasis nicht so gross ist, kann Subcontracting eine gute Gelegenheit sein, erste Erfahrungen zu sammeln.
- Zugang zu Grosskunden im öffentlichen Sektor: Im öffentlichen Sektor werden IT-Dienstleistungen oft in Rahmenverträgen an Grossunternehmen vergeben. Die Leistungen werden anschliessend im Abrufverfahren oder in Form von Mini-Tenders unter wenigen Firmen verteilt. Für kleinere Firmen bleibt dann keine Chance, direkt beauftragt zu werden. Subcontracting kann hier der Schlüssel sein, um dennoch in solchen Projekten mitzumachen. Allerdings ist zu beachten, dass die Stundensätze in den Rahmenverträgen häufig eher tief sind. Für Subcontractor bleibt unter Umständen nicht mehr viel übrig.
Die Schattenseite von Subcontracting
So unkompliziert es auch scheint, Subcontracting hat einige deutliche Nachteile, die ich im Laufe der Zeit festgestellt habe:
- Hohe Vermittlungsgebühren: Häufig verlangen Vermittler:innen einen erheblichen Anteil des Stundensatzes. Das mindert den finanziellen Anreiz und lässt wenig Raum für Verhandlungen.
- Wenig Spielraum zur Eigenpositionierung: Subcontracting-Projekte bieten kaum die Möglichkeit, sich selbst oder die eigene Firma zu etablieren. Die geforderten Profile sind klar definiert und lassen wenig Spielraum für Beratung oder Entwicklung des Auftrags. Gerade mit meinem vielseitigen Profil wird die Arbeit dadurch schnell monoton.
- Kein Aufbau einer eigenen Kundenbasis: Subcontracting bietet kaum Raum, um die eigene Firma weiter zu positionieren oder eine eigene Kundenbasis aufzubauen. Man arbeitet für einen Zwischenhändler und nicht direkt für den Endkunden.
- Konkurrenzverbot: Im schlimmsten Fall gibt es sogar Klauseln, die es einem untersagen, den Kunden für Folgeaufträge direkt zu kontaktieren. Das kann langfristig die Möglichkeiten erheblich einschränken.
- Hoher Arbeitsaufwand: Viele Subcontracting-Aufträge erfordern ein hohes Pensum (80-100%). Dadurch bleibt wenig Zeit, um mehrere Projekte parallel zu betreuen, was wiederum das Risiko für Zeiten ohne Aufträge erhöht.
Mein Fazit zu Subcontracting
Erfahrungen mit «meinen» Subcontractors
Ich habe selbst punktuell Subcontractors beigezogen, allerdings nur für ganz spezifische und eingeschränkte Aufgabengebiete. Meine Erfahrungen damit waren durchwegs positiv. Es war jedoch nie mein Ziel, diese Personen langfristig in ein Projekt zu integrieren. Wenn es um ein langfristiges Engagement geht, gebe ich die Aufträge lieber direkt weiter. Auch wenn ich mir dadurch unter Umständen einen Referenzkunden vergebe, bin ich überzeugt, dass dies langfristig die bessere Lösung ist.
Netzwerken statt subcontracten
Für mich ist Subcontracting eher ein Notkonzept. Mein Ziel ist es, direkt bei meinen Kund:innen zu sein, da ich hier mehr Einfluss habe, beratend tätig sein kann und die Möglichkeit habe, langfristige Geschäftsbeziehungen aufzubauen. Dies erfordert allerdings deutlich mehr Engagement und vor allem Zeit, um ein starkes Netzwerk aufzubauen.
Ich investiere diese Zeit aktiv, indem ich mich in verschiedenen Netzwerken engagiere, mich als Keynote Speaker zur Verfügung stelle und meine Kund:innen für Referenzauskünfte oder Testimonials anfrage. Diese Aktivitäten zahlen sich aus – mit jedem Engagement wächst mein USP, und meine Firma wird ernster genommen. Die Akquise wird mit der Zeit einfacher, aber es braucht Geduld und Vertrauen.
Investment in den eigenen USP
Meine Erfahrung zeigt, dass es sich lohnt, genügend Zeit in den eigenen USP zu investieren. Als Berater:in unter vielen zu sein, erschwert es, gute Verhandlungen zu führen. Mein Weg ist der Fokus auf Nischenprojekte: kurz und intensiv. Dies hat auch den Vorteil, dass ich bei öffentlichen Projekten mitmachen kann, weil ich kaum je bis zur WTO-Grenze offerieren muss.
Klein aber fein - Fixkosten tief halten
Zudem habe ich mich bewusst gegen Angestellte entschieden. Dadurch ist mein administrativer Aufwand viel geringer, und auch kleinere Projekte bleiben für mich rentabel. Dies erleichtert mir die Vertragsverhandlungen, und ich kann flexibler auf individuelle Kundenbedürfnisse eingehen.